Sonnenküste in Herbstfarben

Im Moment stricke ich äußerst sprunghaft, immer ein paar Reihen hier, ein paar Reihen da. Und wie das so ist, wenn man polygam unterwegs ist: Man widmet keinem der kleinen Lieblinge genügend Aufmerksamkeit. Entsprechend sind bei den verschiedenen Projekten scheinbar kaum Fortschritte zu verzeichnen. Fertig geworden ist aber dennoch etwas; nämlich ausgerechnet das langweiligste Teil. Ein sicheres Zeichen dafür, dass mal wieder eine Menge Sport im Fernsehen zu sehen ist ...



Der Anlass war, dass ich die Fiora geschenkt bekommen hatte. Allerdings nicht genug für irgendwas. Fiora ist eines von diesen Mischbändchen (ähnlich wie die Allegro), bei denen sich verschiedene Farben und Qualitäten abwechseln und die wegen des Farbspektakels gerne mal einen unreflektierten Kaufimpuls auslösen. Um dann zu Hause endloses Grübeln zu verursachen, was man denn damit wohl anfangen will. Bei mir läuft es meist auf eine Kombination mit einer passenden Solofarbe hinaus, weil mir der Gesamteindruck sonst zu scheckig ist. Die rotbraune Fiora war diesbezüglich sogar noch halbwegs dezent, aber ich griff sicherheitshalber doch noch zu dem beigen und braunen Baumwollgarn, das es gerade im Ausverkauf gab. "Ein weiterer kleiner Sommerpulli wird im Schrank schon noch Platz haben", dachte ich und legte gleich los, damit das Garn gar nicht erst in die Nähe des Stash kam.


Der 'Sunshine Coast', den ich als Basis verwendet habe, ist in meiner Version allerdings kaum wiederzuerkennen. Und das liegt nicht nur an der Farbwahl, die ja nun alles andere als sommerlich ist. Geblieben sind nur die breiten Raglanstreifen, die an den Seiten fortgeführt werden. Die allerdings kommen viel besser zur Geltung, durch die Streifen, die sich durch das abwechselnde Verstricken des Garns ergeben.



Die Sache mit den Löchern habe ich komplett weggelassen. Das hat mir schon beim Vitamin D nur mäßig gut gefallen und hier, in Kombination mit den Streifen, hätte das einfach nur blöd ausgesehen. Oder wie Fehler im Gestrick. Ich habe statt dessen einfach Zunahmen aus dem Querfaden gemacht. Und zwar mehr und öfter als im Original vorgesehen, weil mein Modell ein gutes Stück länger ist. Die Ärmel sind kurz statt lang, mit Abnahmen nach Gefühl.Und kraus rechte Reihen als Abschluss hätten mit der Fiora wegen der häufigen Farbwechsel nicht gut ausgesehen, einfach nur Abketten habe ich mich aber auch nicht getraut, weil man nie weiß, ob man damit statt eines dezenten Rollrandes nicht eine unförmige Wurst am Ende erhält. Ich habe also die Anti-Rollrand-Methode eingesetzt, die dazu führt, dass sich die Abschlusskante nur noch leicht krümmt. Diese Krümmung könnte man mit dem Bügeleisen leicht eliminieren, aber bei der Hitze fasse ich das Bügeleisen garantiert nicht an!


Mit dem Sitz bin ich nicht völlig zufrieden. Mir ist der Ausschnitt etwas zu groß und die breiten Raglanstreifen rücken die Ärmel für meinen Geschmack eine Spur zu weit nach außen.


Außerdem - aber das wird mich im Alltag dann weniger stören - ist das Ding äußerst unfotogen. In der Totalen verschwimmen die Streifen ineinander und das Rot klumpt unschön zusammen. Seid versichert, dass das im Original etwas besser aussieht.


(Tragefoto - die Unordnung im Hintergrund ist rigoros ausgeblendet.)


Garn:
  • 200 g Lang Fiora (42% Baumwolle, 42% Polyacryl, 16% Viskose), LL 145 m / 50 g, Farbe 063
  • 82 g Lana Grossa Classico (100% Baumwolle), LL 110 m / 50 g, Farbe 056
  • 100 g Lana Grossa Classico (100% Baumwolle), LL 110 m / 50 g, Farbe 009
Nadelstärke: 4,0 mm

Anleitung: 'Sunshine Coast' von Heidi Kirrmaier

Kommentare

  1. Das war beim Stricken vielleicht nicht so spektakulär, aber das gefällt mit total gut!
    Allein schon deine Idee, dieses bunte Garn einschleichend zu kombinieren. Bin ich noch nie drauf gekommen. :)
    Danke fürs zeigen.

    LG Chrissi

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    1. Das mache ich immer gern, wenn mir gar nichts anderes einfällt. Ich hab da auch noch den ein oder anderen Lustkauf lauern, dem Ähnliches bevorsteht ...

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  2. Das Ergebnis ist mal wieder total überzeugend und der Ausschnitt ist kein bisschen zu groß, der ist doch einfach schön sommerlich.

    LG

    Sylvia

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    1. Nicht dass ich übermäßig züchtig wäre, aber ich kann es absolut nicht leiden, wenn man ständig damit rechnen muss, dass der BH-Träger zu sehen ist.

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  3. Hab ich jetzt echt verpasst .... Nun also die Expertenmeinung ;-))))

    Den Sonnenschein mal in dezent bunt finde ich gut, die farbliche Abstufung erst recht. Das macht die Strickerei so unglaublich genial, es gibt so unzählige Varianten für ein und dasselbe Stück, dass es einen fast umhaut und die Entschedungen so schwer macht. Eine tolle Länge hat er auch.
    Und nö, ich finde den Ausschnitt auch nicht zu groß, er ist sommerlich. Für das Trägerdilemma trickse ich mit so kleinen Bändskens, die ich zur Hälfte an der Schulter(naht) annähe, dann kommen da vorne und am Ende Druckknopfhälften dran, diese Konstruktion hält dann sowohl Ausschnitt als auch Pulli da wo die sein sollen.
    Liebe Grüße aus dem herrlich abgekühlten fernen Osten
    Regina

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  4. Hallo,
    kann nur gratulieren, Bravo! es ist ein ganz tolles Teil geworden.
    Liebe bei Dir zu schauen, da Du eben nicht so strickt genau, nach Anleitung strickst, nur hast die Fantasie, die Anelitung nur als Anhaltspunkt zu sehen.
    Kann nicht begreifen, wie manche Personen trauen sich nicht eine Maschen mehr oder wenige zu stricken, wie in der Anleitung steht...
    Bin dadurch immer wieder von Deinen gestrickten Sachen begeistert....!
    Liebe Deine Experimenfreudigkeit, die bunten Farben, kenne das selber....so was strickt man viel lieber als die monotonne Einfarbigkeit...und man hat das Gefühl es strickt sich schneller.....
    Bin gespannt auf Deine neuen Werke
    Grüße herzlich
    Maya

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    1. Danke, liebe Maya. Du hast ganz recht, mit den Jahren der Erfahrung muss man sich wirklich nicht mehr sklavisch an Anleitungen halten,vor allem, weil das mit den Größen ohnehin individuell sehr unterschiedlich ist. Und meistens stricke ich ja sowieso Tücher, da kann man nach Herzenslust herumexperimentieren.

      Liebe Grüße,
      Ute

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