Rotverschiebung


Mein Vorhaben, so ein Zwischending zwischen Jacke und Mantel zu produzieren, hatte ich ja schon verschiedentlich kurz angedeutet. Hier nun noch einmal in aller Ausführlichkeit und in chronologischer Reihenfolge die Entstehungsgeschichte - und das Happy End.

Initialzünder waren die beiden Farbverlaufs-Päckchen von Bärbel Salet, die ich auf dem Wollefest mitgenommen hatte. Zuhause zeigte sich dann, dass die sich nahtlos in die Rot-Sammlung einfügten. Ich hatte da nämlich in exakt gleicher Qualität noch ein paar Knäuel Holst Supersoft und eine Sammlung von einer Firma namens Lillestrik, von der noch nicht einmal Ravelry etwas gehört hat.




Das alles passte prima zu einer weiteren Neuerwerbung vom Wollefest, die eine ähnliche Lauflänge hatte. Die Garnqualität war zwar nur so lala (viele abgerissene Fäden im Strang), dafür war das Garn aber auch sehr preiswert (12 € pro 150 g) und die ineinandergehenden Rot-Braun-Schattierungen hatten es mir natürlich angetan. Und die schiere Menge verlangte dann folgerichtig nach einem Großprojekt.


Was mir vorschwebte, war eine langes, weites Flatterding, mehr Mantel als Jacke. Und auch die Musterfolge hatte ich ausnahmsweise schon von Anfang an im Kopf: ausschließlich rechts gestricktes Patent, ein paar Reihen mit bunten Tuck-Pünktchen und breite Zick-Zack-Streifen.


Zwar wurde der erste Enthusiasmus etwas gebremst durch die Tatsache, dass ich mich in weitgehend unbekannte Regionen begeben musste, sprich: auf kleine Nadeln (3,25 mm) zurückgreifen musste. Das Patentmuster ging trotzdem überraschend schnell voran, weil die häufigen Farbwechsel für reichlich Kurzweil sorgten.



Ach ja, falls an dieser Stelle jemand stöhnt und sagt: "Ogottogott, so viele Fäden zu vernähen, das würde ich ja nie machen!" - Nix da. Wie die meisten von Euch, leide ich ebenfalls an einer chronischen Vernähallergie. Deshalb hat die kluge Frau vorgebaut und einen I-Cord-Rand gemacht. In dem lassen sich nämlich alle Fäden prima verstecken. Man sichert sie einfach am Anfang und Ende mit einem Knoten und führt dann den Arbeitsfaden auf der Rückseite immer unter den Fäden durch. Auf diese Weise verschwinden sie nach und nach in I-Cord und werden nicht zum Ärgernis.




Fragt mich jetzt aber lieber nicht, wie die Innenseite der Ärmel aussieht ...




 Um die Übersicht zu behalten, musste ich mir diesmal tatsächlich ein rudimentäres Ordnungssystem zurechtlegen:


Der Patentteil war, wie gesagt, recht flott absolviert. Danach wurde ich etwas ausgebremst, weil ich die Maschenzahl um ein Drittel erhöhen musste, um auf die gleiche Breite zu kommen. Beim Zickzackmuster hätte ich eigentlich noch mal ein paar Maschen zugeben müssen, aber ich beschloss, das später durch Spannen auszugleichen. Dass eine Reihe mittlerweile 15 bis 20 Minuten dauerte, reichte mir nämlich vollkommen.

Entsprechend beschloss ich, der Odysee ein Ende zu setzen, als der Saum noch deutlich oberhalb des Knies endete. Statt weiterzustricken sandte ich lieber ein Stoßgebet gen Himmel, dass sich das Ganze nach dem Waschen kräftig in die Länge ziehen möge. Und das wurde auch prompt erhört: Es gab rund 25 Zentimeter Zuwachs.
Und so sieht das fertige Prachtstück aus:


Obenrum habe ich es mit der Weite allerdings ein klein wenig übertrieben. Außerdem rollt sich der seitliche Rand ein klein wenig ein. Zwar könnte ich beidem begegnen, indem ich noch einen Kragen und eine Knopfleiste dran stricke, aber dazu fehlt mir echt die Lust. Ich werde noch ein, zwei Knöpfe besorgen, die mit einer I-Cord-Schlaufe geschlossen werden; zu mehr kann ich mich nicht mehr aufraffen.

Davon abgesehen ist das gute Stück mit rund 400 Gramm ein richtiges Leichtgewicht und trotzdem fast zu warm, zumindest für drinnen.


Nachtrag: Ich hab noch zwei halbwegs passende Knöpfe gefunden:


Ach ja, und natürlich sind genügend Reste übrig geblieben, dass ich daraus locker noch was machen könnte. Aber jetzt sind erst mal andere Farben an der Reihe.



Garn:

  • ca. 240 g Wasserwolle Lacegarn handgefärbt (100% Schurwolle aus Finnland), LL 550 m / 100 g
  • ca. 165 g Shetlandwolle in 18 verschiedenen Farbtönen, die ich hier garantiert nicht alle aufliste ... (LL 575 m / 100 g)
Nadelstärke 3,25 mm



Verlinkt bei Auf den Nadeln






Kommentare

  1. Gratuliere dir zu deinem wirklich wunderschön gewordenen Mantel und zu deiner Ausdauer! Ich wünsche dir viel Freude damit!

    Liebe Grüße Silvia

    PS:
    Eines würde mich aber interessieren und zwar wie man einen Mantel spannt?

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    Antworten
    1. Ach, im Prinzip genauso wie ein Tuch, außer dass dabei die Hälfte meiner Wohnung unbegehbar wird ...
      Richtig gespannt habe ich eigentlich nur die unteren zwei Drittel: alles schön auseinandergezogen und die Zackenspitzen mit Stecknadeln fixiert. Die Ränder habe ich mit Spannkämmen festgesteckt. Den oberen Teil inklusive der Ärmel habe ich einfach so trocknen lassen.
      Liebe Grüße
      Ute

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  2. Liebe Ute,

    ".... außer dass dabei die Hälfte meiner Wohnung unbegehbar wird ..."
    das kann ich mir vorstellen!
    Auf jedem Fall danke für deine Antwort

    lg Silvia

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  3. Ein wunderschoenes Ergebnis und tolle Farben.

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  4. Das ist wirklich ein Prachtstück!

    LG Elena

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