Grauschleier

Das erste fertige Projekt des Jahres ist ganz ungewohnt farblos. Aber eigentlich ist es für mich eher ungewöhnlich, dass die übrigen Tücher so bunt sind, denn die Klamottenwahl bewegt sich meist zwischen grau und schwarz.


Eine spezielle Klamotte war dann auch der Grund, dass ich ein schlichtes Tuch brauchte. Ich hatte mir vor zwei Jahren diesen wildgemusterten Seidenmantel gekauft (wehe, da sagt jetzt jemand: "Morgenmantel"!):


Ich wollte schon länger was Einfaches dazu stricken. Das ist auch der Grund für diverse Grautöne im Stash, die ich gekauft, ausprobiert und wieder verworfen habe. Ebenso verworfen wurden verschiedene Musterideen, denn das Teil wirkt so unruhig, dass da wirklich nicht noch mehr Bewegung ins Bild passt.




Nachdem ich im Herbst bei 'Wollbonbon' den monochromen Farbverlauf entdeckt hatte, war ich eigentlich ganz zuversichtlich, dass daraus ruckzuck ein schlichtes Kraus-Rechts-Tuch entstehen würde (von Ecke zu Ecke gestrickt nach der bewährten Methode an einer Seite zwei Maschen zuzunehmen und an der anderen Seite eine abzunehmen).

Aber, Mann, das zog sich ... Wenn so gar keine Farbe im Spiel ist, ist kraus rechts einfach nur öde, öde, öde. Aus purer Verzweiflung habe irgendwann damit angefangen, ein paar Lochmusterreihen dazwischen zu schieben. Und irgendwann kam mir auch die Idee, als kleinen Blickfang noch ein paar Quasten (aus oben genanntem reichlichen Graufundus) dranzuhängen.




Garn von 'Wollbonbon' habe ich zum ersten Mal verstrickt. Dort gelandet bin ich in erster Linie, weil es da Garn aus reinem Merino ohne Polyesterzusatz gibt. Mit dem Garn an sich war ich auch sehr zufrieden, allerdings fallen hier die Farbübergänge teilweise nicht ganz so sanft aus wie bei meiner üblichen Anlaufstelle für Farbverlaufsgarn (100 Farbspiele). Das hat mich in dem Fall aber nicht gestört, schließlich war während des Strickens jede Abwechslung höchst willkommen!


Mit dem Endergebnis bin ich voll zufrieden. Aber als Nächstes werde ich mich sicher wieder in einen Farbrausch stürzen.



Garn:
  • 240 g (= 800 m) Farbverlaufsgarn 'Granit' (4-fädig, 100% Merino) von Wollbonbon
  • Reste in grau und schwarz für die Quasten

Kommentare

  1. Liebe Ute,

    ich finde die graue Eminenz sehr schön! Ich bin eigentlich auch eher unbunt und Wolle springt mich komischerweise immer in bunt an. Und oft weiß ich dann nicht, was ich daraus stricken soll. Wobei, ich bin zuletzt ein bisschen bunter geworden...

    Zurück zu Deinem Tuch. Es passt wunderbar zum Mantel, da konnte es wirklich nur etwas ganz dezentes sein! Du wirst mit dieser Kombi sicher auffallen, auch wenn sie gar nicht bunt ist. Ich mag manchmal so einfaches vor-sich-hinstricken, besonders wenn ich nebenbei einen Film schauen und möglichst wenig Licht haben "soll" ;)

    Herzlichst Bine

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    1. Liebe Bine,

      ich hab ja auch immer so ein Nebenbei-Projekt am Start, und die meisten sind dann auch nicht komplexer, aber dieses wollte so gar nicht vorankommen.
      Bei mir löst die bunte Wolle auch immer einen Kaufreflex aus, aber seit ich Tücher stricke ist das kein Problem mehr, denn so ein kleiner Farbklecks geht immer.
      Liebe Grüße,
      Ute

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  2. Liebe Ute,
    ich kann Dir und Bine nur beipflichten. Wenn es um Klamotten geht, bin ich auch nicht so unbedingt der bunte Typ, aber bunte Garne sind etwas völlig anderes. Darum liebe ich auch Deine farbigen Tücher so sehr, wobei mich dieses graue Werk total begeistert. Ist das Dein Entwurf? Wenn ja, hast Du schon eine Anleitung in Ravelry? Ich finde das Tuch toll, vor allem die Quasten. Sie sind das Sahnehäubchen :-)
    Liebe Grüße
    Anneli

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    1. Liebe Anneli,

      nein, ich würde mich ja schämen für sowas Einfaches eine Anleitung zu schreiben (andere haben da weniger Hemmungen, darum gibt's die Anleitung im Prinzip schon hundertfach, meist mit unterschiedlichen bunten Farbstreifen). Du nimmst einfach in jeder Hinreihe am Anfang zwei Maschen zu (hier: 3 re, U, kfb) und am Ende eine Masche ab (ich hab die viert- und drittletzte Masche zusammengestrickt). Der Rest ist kraus rechts bis zum Abwinken und - wie gesagt - ein paar Lochreihen gegen die Langeweile. Die Wirkung entsteht nur durch den Farbverlauf und die kontrastierenden Quasten. Du hast recht, die reißen's echt raus.
      Liebe Grüße,
      Ute

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  3. Den Manteltyp kommentiere ich mal nicht, obwohl das schon schwer fällt ;-))
    Hihi, ich warte noch, dass mich mal der Hang zum Monochromen heimsucht, bisher hat das noch nicht stattgefunden, daher kann ich bei Deinem Tuch nur die Idee und die Troddeln loben... Dass sich das ganz gemein hingezogen hat, versteht sich, ist ja so gar nix los unterwegs... Aber zum (wenn nicht Morgen- dann vielleicht Abend ?)Mantel passt es perfekt. Vermutlich hast Du jetzt wieder ganz großes Bedürfnis nach Bunt auf den Nadeln?
    Ich habe gestern schnell einen Stino-RVO ohne Alles angeschlagen, der kommt morgen als Urlaubs-Mindless-Needlework mit auf die Insel Rügen. Und wenn ich so auf das Schneetreiben draußen gucke, so denke ich, dass ich den in der Woche dort locker fertig bekommen werde - sofern wir da morgen überhaupt hin kommen.
    LIebe Grüße - Regina

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    1. Liebe Regina,

      Du suchst Dir aber auch immer das schönste Strickwetter für den Urlaub aus! Ich werkele gerade noch an dem ein oder anderen WIP herum, ehe es zum UFO mutiert. Mal sehen, ob ich Dich mit etwas Bunterem überraschen kann, wenn Du wieder zurück bist.

      Hab eine schöne Zeit,
      Ute

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  4. Liebe Ute, "Grauschleier" ist eine bärige Bezeichnung für das Tuch! Ich mag es sehr gern leiden, denn es ist total unaufgeregt, hat aber mit dem Lochmuster und den Quasten doch hübsche Details.
    LG
    Sandra

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    1. Danke. Leider konnte ich es immer noch nicht gebührend ausführen, denn für das passende Seidenmäntelchen war es dann doch so etwa 20 Grad zu kalt :(.

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