Montag, 25. Januar 2016

Smaragde und Diamanten

Wie gut, dass ich nichts von Neujahrsvorsätzen im Allgemeinen halte - und von speziellen, die mit Kauf-Askese bei Wolle zu tun haben, schon gar nichts! Den kaum war das neue Jahr angebrochen, liefen mir vier einsame, preisreduzierte Knäuel 'Perla' von Lana Grossa über den Weg. Auf die eingearbeiteten, namensgebenden Perlen hätte ich zwar verzichten können, aber die Farbe erwies sich einmal mehr als unwiderstehlich.


Aber wie das immer so ist mit Effektgarn - man kommt damit nicht sehr weit. Es mussten also noch weitere Exemplare aus der Farbfamilie im Einkaufskorb landen.


Wie so oft fing ich ohne konkreten Plan an. Fest stand nur, dass der Materialmix durch einen Mustermix unterstrichen werden sollte. Damit das Ganze nicht allzu chaotisch aussieht, entschied ich mich für verschiedene Rautenvariationen, unterbrochen von schmalen Streifen mit dem Paillettengarn.


Nachdem das Ganze ohnehin schon recht opulent aussah, beschloss ich, es zum Abschluss endgültig auf die Spitze zu treiben und ein kleines Experiment mit gebündelten Zunahmen zu wagen. (Für Interessierte: die Technik ist eher unter der englischen Bezeichnung 'stacked increase' bekannt, ein Erklärvideo gibt es natürlich bei YouTube.)


Ich hatte das in einer einfacheren Variante schon einmal bei der Pool Party verwendet, aber dort kam der Aufwand wegen des dünnen Garns gar nicht so recht zur Geltung. Immerhin konnte ich mich noch daran erinnern, dass man sich nicht davon abschrecken lassen sollte, dass es die ersten paar Reihen so aussieht, als ob ein Dilettant willkürliche Knoten ins Strickwerk eingebaut hätte. Der Effekt entfaltet sich erst nach und nach und vollständig dann nach dem Abketten. Was ich allerdings verdrängt hatte: Die Maschenzahl vervielfacht sich dadurch exponentiell. (In meinem Fall waren's am Schluß rund 680.)

So sieht das Riesenteil im Ganzen aus (passt nur mit Müh und Not aufs Bild):



Stellt sich die Frage, wieso ich mich eigentlich parallel mit einem weiteren Poncho abmühe, wenn meine Tücher immer so groß werden, dass sie locker denselben Zweck erfüllen ...




Ich bin dann heute morgen noch kurz los, um eine Tuchnadel zur Bändigung des Ungetüms zu besorgen. Und dabei im Wollladen mitten im Winterschlussverkauf gelandet. Fragt lieber nicht ...


Kurz vor Toresschluss sende ich das noch schnell zu Gehäkeltes und Gestricktes.

Update: Die Anleitung gibt's jetzt beiRavelry

Maße: 225 x 90 cm

Garn:

  • 200 g Perla von Lana Grossa (95% Baumwolle, 5% Glas), LL 85 m / 50 g, Farbe 007
  • 100 g Divino von Lana Grossa (75% Baumwolle, 25% Viskose), LL 110 m / 50 g, Farbe 022
  • 130 g Elastico von Lana Grossa (96% Baumwolle, 4% Polyester), LL 160 m / 50 g, Farbe122
  • 25 g Kid Paillettes von Schulana (42% Mohair, 40% Polyester, 18% Seide), LL 125 m / 25 g, Farbe 470
  • 15g Drops Alpaka (100% Alpaka), LL 167 m / 50 g, Farbe 2919
  • 11g Drops Alpaka (100% Alpaka), LL 167 m / 50 g, Farbe 2918

Nadeln Stärke 4,5 mm und 8 mm







Donnerstag, 14. Januar 2016

Royally Striped

Mein 3D-Puzzle ist nun auch endlich fertig! Nachdem ich über den Doodler doch reichlich Unmut gestreut hatte, wollte ich Stephen West noch eine Chance geben und habe gleich anschließend  'Royally Striped' nachgestrickt. Zur Abwechslung kein Tuch, sondern etwas, nun ja, Jackenähnliches.


Gereizt hat mich vor allem die ungewöhnliche Konstruktion. Man beginnt mit verkürzten Reihen, arbeitet einen langen Streifen, an dessen Mitte sich dann ein Rechteck anschließt, welches das Rückenteil bildet. Es folgen zwei Rechtecke, die Vorder- und Rückseite verbinden (ich habe Kegel daraus gemacht, um wenigstens den Ansatz einer Taillierung zu erreichen). Und schließlich oben und unten Schößchen bzw. Kragen wiederum mit verkürzten Reihen. Ich habe eigenmächtig noch lange Ärmel hinzugefügt, weil mich das Teil als Weste nicht recht überzeugt hat.


Wobei 'oben' und 'unten' hier relativ sind. Denn einen großen Teil des Charmes macht aus, dass man das Kleidungsstück 'upside down' tragen kann, wodurch sich jeweils eine ganz andere Optik ergibt.


Der Nachteil ist an den Tragebildern schon ganz gut zu erkennen: Die Passform ist nicht grade überwältigend. Ich unterstelle mal, dass sich Herr West nicht allzu viele Gedanken darüber macht, wie man weibliche Formen vorteilhaft ins Licht rückt, sondern ausschließlich auf originelle Ideen setzt. Der Schnitt (wenn man es denn so nennen will) betont die Schulterpartie zu stark und ignoriert, dass weite Teile der Bevölkerung in der Körpermitte so etwas wie eine Taille haben.

Es ist aber trotzdem halbwegs tragbar. Und auf der Pro-Seite steht: Es macht Spaß das Objekt zu stricken (wegen des Puzzle-Effekts), es ist einfach (alles kraus rechts) und man kann gut farblich zusammenpassende Reste loswerden. In meinem Fall war das schlichte Sockenwolle aller Art, insgesamt rund 360 g mit einer Lauflänge von 400 m / 100 g. (Im Original wird etwas dickeres Garn verwendet.)

Mein Abstecher ins West-Universum ist damit vorerst aber beendet. Ich denke, in nächster Zeit werde ich wieder etwas mehr mit eigenen Ideen herumspielen ...



Anleitung: Royally Striped von Stephen West




Sonntag, 10. Januar 2016

Die Pfeilraupe

Eine überaus originelle Konstruktion, denkbar simpel zu stricken und auch noch eine kostenlose Anleitung - wie kann es nur sein, dass ich dieses Tuch erst jetzt entdeckt habe? Alpis Pfeilraupe ist ebenso einfach wie genial, war allerdings bis vor ein paar Tagen nicht über Ravelry zu finden, sondern nur auf ihrem Blog. Ich bin zufällig bei Instagram darüber gestolpert, wo jemand verzweifelt fragte, ob es dafür auch eine englische Anleitung gibt. Offenbar ist die Designerin des Geniestreichs daraufhin mit Anfragen überhäuft worden, denn zwei Tage später gab's dann sowohl eine Übersetzung als auch eine Verlinkung bei Ravelry, wo sich das Prachtstück dann prompt mehrere Tage auf Platz 1 der Download-Hitparade behauptete.


Ich habe das Tuch sofort als ich es sah, zu meinem neuen Handtaschenprojekt erkoren, weil ich ohnehin wieder was Einfaches für unterwegs brauchte. Daraus wurde dann allerdings nichts, weil ich das Teil dringend und sofort fertig haben wollte und praktisch rund um die Uhr daran gewerkelt habe.

Ein wenig Kopfzerbrechen machte mir zunächst nur die Frage, welches Garn ich verwenden sollte. Die angegebene Lauflänge beträgt nämlich rund 530 m. Und da ich eine notorische Ein-Strang-Käuferin bin, hatte ich von allen in Frage kommenden Farben entweder zu viel oder zu wenig. Aber dann fand ich unter den Neuzugängen aus den Dezember-Beutezügen doch das Passende:


Witzigerweise ist das genau das Garn, bei dessen Anblick jeder gesagt hatte: "Was um alles in der Welt willst Du denn damit machen?" (Antwort: Keine Ahnung, aber irgendwas wird sich schon finden - et voilà!)

Abgewickelt und verstrickt bietet sich nämlich eine ganz andere Optik dar. Was auf dem Strang noch nach einer gewagten Kombination aussieht, verschmilzt sehr harmonisch miteinander:


Genau genommen handelt es sich hier nicht um einen Strang, sondern um drei kleine mit leicht unterschiedlichen, färbebedingten Farbabstufungen, mit einer Gesamtlänge von - juhu - 546 Metern. Und damit stand dem sofortigen Start des Projekts dann auch nichts mehr im Weg (abgesehen von einem zu unterdrückenden Schlafbedürfnis).

Das fertige Teil sieht so aus:


Gestrickt wird einfach kraus rechts mit verkürzten Reihen und in regelmäßigen Abständen werden kleine Schlitze eingearbeitet. Durch die zieht man dann später die lange Spitze nach Lust und Laune und erhält so ein paar schöne Stylingmöglichkeiten.


Im Nachhinein betrachtet war mein verwendetes Garn allerdings vielleicht etwas zu weich und glatt, um den Effekt voll zur Geltung zu bringen. Mit einem etwas griffigeren Garn oder sogar einer Mohair-Mischung könnte das unter Umständen noch besser aussehen. Mein Exemplar eignet sich eher als Schal denn als Tuch.


Das könnte aber trotzdem eine gute Idee für alle sein, die im Januar noch nicht genug auf den Nadeln haben. Und ich brauche jetzt dringend ein neues Handtaschenprojekt ...


Hier geht's zur Anleitung.

Garn:150 g Funnies Trio Aquarell No. 109, (Twisted Merino, 100% Wolle), LL 546 m von Dibadu

Nadelstärke 4,0 mm

Freitag, 8. Januar 2016

Geradlinig


Das Handtaschenprojekt der letzten Monate ist auch endlich fertig geworden. Offenbar hatte ich in letzter Zeit nicht viele Wartezeiten und Bahnfahrten zu überbrücken, denn es hat sich doch ziemlich hingezogen. Und erst nach Fertigstellung fiel mir ein, dass ich den perfekt passenden Hut dazu besitze.



Angefangen habe ich das Tuch eigentlich nur wegen des Garns. 'Moina' ist eine sehr angenehme, weiche Mischfaser, die schon im Knäuel ein haptisches Vergnügen war.

Die Grundkonstruktion ist einmal mehr wie beim simplen Shetland Hap (wie hier beschrieben). Allerdings hat sich schnell gezeigt, dass das Garn, obwohl es so weich ist, Strukturen sehr gut abbildet und damit wollte ich ein bisschen spielen. Deshalb habe ich mich schnell dafür entschieden, abwechselnd glatte und gemusterte Bahnen zu stricken.



Das warf allerdings das Problem auf, was ich mit der Umrandung machen sollte. Die üblichen Wellen oder Zacken passten irgendwie nicht zu den schlichten V-förmigen Streifen. Deshalb entschloss ich mich schließlich dazu, das Ganze durchgehend einfach zu halten und auch am Rand die geraden Linien fortzusetzen, durch kraus rechts gestrickte Abschnitte die von Fallmaschen unterbrochen wurden.


Das nächste Handtaschenprojekt mit ausschließlich rechten Maschen ist auch schon in Arbeit, allerdings bin ich so gespannt darauf, wie es sich entwickelt, dass es gar nicht erst den Weg in die Handtasche findet, weil ich es kaum aus der Hand legen kann. Dazu demnächst mehr ...


Garn:
  • 200g Moina von Lang Yarns (54% Viskose, 32% Polyamid, 14% Seide), LL 190 m / 50 g, Farbe 839.0080
  • 75 g Novena Dégradé von Lang Yarns (50% Wolle, 30% Alpaka, 20% Polyamid), LL 110 m / 25 g, Farbe 828.0064
Nadelstärke: 5,0 mm

Samstag, 2. Januar 2016

Neues Jahr, alte Projekte (und ein paar Pläne)

Das zweifellos einschneidendste Erlebnis des letzten Monats war der am Nikolaustag gefasste Entschluss, für den Rest des Jahres kein neues Projekt mehr anzufangen, sondern sich ausschließlich auf die Altlasten zu konzentrieren. Die (eventuell nicht zu hundert Prozent realistische) Erwartung, dass dadurch auf magische Weise mindestens ein Dutzend WIPs zur Vollendung kommen, hat sich allerdings nicht erfüllt. In erster Linie deshalb nicht, weil ich mich die Hälfte der Zeit auf beide Hände setzen musste, um diese davon abzuhalten, mit den Bergen an neuer Wolle (Stichwort: Weihnachtsgeschenke) zu experimentieren.

Tatsächlich fertig geworden sind dann nur ein paar Sachen: Der ungeliebte Doodler (aus purem Pflichtbewusstsein), das Zacken-Quasten-Tuch (neues Lieblingsteil), der Poncho mit Cowl (war auch dringend nötig bei Durchschnittstemperaturen von 15 Grad) und der Glitzerstern.



Immerhin zwei Projekte sind so weit fortgeschritten, dass sie mit Sicherheit im Januar fertig werden:

Trotz des Doodler-Desasters hatte ich noch ein weiteres Stephen West Modell angeschlagen: Royally Striped. Hauptsächlich wegen der absolut verwegenen Konstruktion. Mit einigen kleinen Veränderungen wird das aber tatsächlich tragbar. Unter anderem will ich noch Ärmel dran machen.


Und beim Handtaschenprojekt der letzten Monate fehlen nur noch ein paar Reihen:


Die Vernunft geböte zwar, die Enthaltsamkeit bezüglich neuer Projekte noch etwas fortzusetzen, aber man kann ja nicht immer vernünftig sein!! (Vielleicht mache ich in der Fastenzeit noch einmal einen derartigen Versuch. Falls ich mich bis dahin von den Entzugserscheinungen erholt habe.)

Ich versuche mal, mich im Januar auf zwei Vorhaben zu beschränken, die die meiste Woll-Lust versprechen.
Da ist zum einen dieses Schätzchen, das danach schreit, den Weg um meinen Hals zu finden (die FARBE! Ich kann's kaum noch erwarten ...). Richtig geraten - es soll ein Tuch werden. Zur Abwechslung mal von Seite zu Seite gestrickt, aber vorerst existiert eher eine vage Idee als ein konkreter Plan.


Und dann muss natürlich auch noch dringend brandneues Brioche zum Jahresanfang her. Mit dieser Alpaka Ansammlung habe ich "Großes" vor - einen Poncho oder Umhang (wo verläuft denn die Grenze zwischen Tuch und Umhang?). Jedenfalls bin ich ziemlich sicher, dass mich das über den Januar hinaus begleiten wird.


Aber erst muss ich noch schauen, was die anderen im Januar so treiben ...