Sonntag, 6. Dezember 2015

Zackig

Das neueste Werk ist so groß geworden, dass es eigentlich eher einem Poncho als einem Tuch gleicht. Das machte die Entscheidung, was ich mit der Abschlusskante machen sollte, dann letztlich etwas einfacher. Ich schwankte nämlich tagelang zwischen Fransen, Quasten oder gar nichts. Ich habe sogar die diversen Communities befragt, mit interessant widersprüchlichen Ergebnissen: Während die G+ Strickerinnen überwiegend der Meinung waren, da müsse nichts mehr dran (oder zu meiner zusätzlichen Verwirrung Perlen ins Spiel brachten), verlangten die Instagrammerinnen einstimmig nach Fransen oder Quasten.


Das mit den Quasten ist ja so eine Sache. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch dunkel daran, dass derlei Zierrat Großmutters Sofa, oder in Härtefällen auch deren Vorhänge schmückte. Aber irgendwann im letzten Jahrhundert schienen sie ausgestorben und fristeten allenfalls, an strategischen Stellen platziert, ein Nischendasein als Stripperinnen-Accessoire.


Aber in diesem Jahr waren die Troddeln plötzlich wieder da. Ich habe das halbwegs amüsiert zur Kenntnis genommen und im Hinterkopf abgespeichert, dass man die vielleicht mal bei einem asymmetrischen Dreieck an die Ecken setzen könnte. Aber dann kam am Donnerstag im Stricktreff die Idee auf, dass man doch welche an die Spitzen dieses Tuchs machen könnte. Zunächst schreckte ich vor der Idee etwas zurück, weil mir 13 Quasten an einem einzigen Kleidungsstück doch etwas viel schienen.


Ich habe dann probeweise eine angefertigt und als weitere Option auch noch ein Fransenbündel improvisiert. Danach fiel die Entscheidung dann leichter, denn ganz ohne sah plötzlich langweilig aus und die Fransen "a bisserl wieselhaarig" (für Bewohner jenseits des Weißwurstäquators: ömmelig).


Zur Gesamtkonstruktion:
Ich habe im Wesentlichen Garn Nr. 1 (Tosca Light) aus der Einkaufstüte gezerrt und Garn Nr 2 (Fleißiges Lieschen) aus dem Stash geholt und einfach losgelegt. Der ursprüngliche Plan, durchgängig Rauten zu machen, hatte sich nach der zweiten Rautenreihe erledigt, weil das durch die Zunahmen am Rand und in der Mitte mit der Maschenzahl nicht mehr aufging. Merke: Es wäre nicht schlecht, vorher mal den Taschenrechner zu Rate zu ziehen, ehe man sich blindem Aktionismus in die Arme wirft!

Da zu dem Zeitpunkt schon rund 30 Zentimeter gestrickt waren, war Auftrennen keine Option. Ich beschloss also erst mal, geradeaus weiterzustricken und weitere Rauten am unteren Rand zu platzieren, diesmal nicht ohne vorher die ein oder andere Grundrechenart anzuwenden. Und gleichzeitig verfestigte sich die Idee, die Rauten ab der letzten Zunahme einzeln fertigzustricken. Das Ergebnis sind die schönen Zacken. Bonus: Kein Abketten nötig.

Vorder- und Rückseite sehen hier - im Gegensatz zum Askews Me Schal deutlich unterschiedlich aus, was vermutlich daran liegt, dass die Wolle geringfügig dicker ist:

Und außerdem gelobe ich hiermit, in diesem Jahr nichts Neues mehr anzufangen, sondern mich ausschließlich mit den zahlreichen UFOs zu beschäftigen, die hier noch rumliegen. Das sollte sich doch durchhalten lassen ...

Garnverbrauch (ohne Quasten):

  • 130 g Tosca Light von Lang (55% Schurwolle, 45% Polyacryl), LL 400m / 100g, Farbe 777.0015
  • 100 g Fleißiges Lieschen Col. von AWV (75% Schurwolle, 25% Polyamid) LL 420m / 100g, Farbe 111
  • 65 g Cool Wool Big Melange von Lana Grossa (100% Schurwolle), LL 120 m / 50g, Farbe 318
Nadelstärke: 4,0 mm

Kommentare:

  1. Liebe Ute,
    es ist herrlich, Deinen Beitrag zu lesen! Dein Poncho-Tuch ist bildschön und die Quasten bilden einen sehr harmonischen Abschluss. Fransen oder Perlen hätten wahrscheinlich nicht so gut gepasst. Na, ich bin gespannt, ob Du Dich tatsächlich "nur" Deinen UFOs zuwendest ... oder vielleicht doch mit der Pimpelliese beginnst (so als Handtaschenprojekt) :-)
    Liebe Grüße,
    Anneli

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    1. Setz' mir keine Ideen in den Kopf, liebe Anneli! Ich glaube, wenn ich tief genug in den UFOs grabe, findet sich auch da was zum Nebenbeistricken für unterwegs. Und zum Glück ist das Jahr ja bald vorbei. Die wirklich große Herausforderung wird sein, von dem Garn, das ich mir selber unter den Weihnachtsbaum legen werde, noch eine Woche lang die Finger zu lassen ...

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  2. Das ist ja ein ganz wunderbares Tuch! Und die Quasten passen ganz perfekt. Ich habe Deinen Blog gerade erst gefunden und werde mich jetzt mal durchlesen :)
    Liebe Grüße
    Katharina

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    1. Ich hingegen habe neulich schon mal Deinen Drachenfels zusammen mit dem tollen Kleid bewundert (allerdings wortlos)...

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  3. Fantastisches Tuch, und die Quasten sind einfach perfekt - sieht gar nicht nach Sofadecke aus - die ich bei derlei Details auch schnell mal vor meinem geistigen Auge habe - sondern mehr nach Folklore. Werde ich mir mal merken, dass Quasten gut an Rautenecken aussehen :) Liebe Grüße aus Berlin

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    1. Danke, ich hatte wirklich ein paar Bedenken wegen der Wirkung. Aber solange es an Folklore erinnert, kann ich gut damit leben.

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