Double Trouble

Im Grunde bin ich der Auffassung, dass Doubleface stricken eine Technik ist, die direkt aus der Hölle kommt. Jedenfalls wenn man damit auch noch Muster erzeugen will. Das ständige Hantieren mit zwei Fäden kombiniert mit dem Links-Rechts-Umdenken ist tatsächlich die einzige Strickart, die mich nicht entspannt, sondern stresst, und das nicht zu knapp. Ich habe hier seit ca. vier Jahren einen Schalanfang rumliegen, den ich nur deshalb nicht aufgeribbelt habe, damit er mich stets daran erinnert, das bloß nie wieder zu versuchen!



Allerdings habe ich nun eine Möglichkeit entdeckt, den Nerv-Faktor gehörig zu reduzieren. Nämlich in der Kombination mit zweifarbigem Patent. Dabei kann man die beiden Farben der Doubleface-Abschnitte nämlich genau wie beim Brioche nacheinander stricken. Und dann ist es eigentlich kein Problem mehr. Weil man, genau betrachtet, einfach nur Hebemaschen macht. Man muss sich nur geringfügig konzentrieren, um beim Wechsel zwischen den beiden Techniken nicht durcheinander zu kommen. Und das Ergebnis finde ich sehr überzeugend:



Für den Schal habe ich ausnahmsweise mal zu dickerem Garn gegriffen. Schließlich ist Winter! Und außerdem hätte sich die Fertigstellung sonst wirklich endlos hingezogen (Schal!!). Dadurch, dass das ja vom Wollverbrauch her im Grunde zwei Schals sind, ist er mit 400 Gramm aber auch ein relatives Schwergewicht.

Ich musste mich allerdings sehr beherrschen, nicht gleich mehrere verschiedene Musterfolgen auszuprobieren. Aber ich denke, in dem Fall ist die Wirkung mit einem einzigen, ständig wiederholten Muster besser und plakativer. Natürlich wird die Strickerei dadurch auf die Dauer etwas eintönig, aber, na ja, nennen wir es einfach meditativ.

Einen Musterabschnitt hätte ich mir im Nachhinein glatt sparen können, denn der Gute ist nach dem Waschen um rund einen halben Meter gewachsen! Was ich mir nicht hätte sparen sollen, war das Spannen. Dazu war ich im ersten Durchgang schlicht zu faul. Im nassen Zustand sah das nämlich ganz gut aus:


Und was soll man bei einem Rechteck schon noch groß in Form bringen, richtig? Nein, ganz falsch! Nach dem Trocknen hatte der Lümmel nämlich die Länge beibehalten und sich in der Breite verschlankt (etwas, was sich bei seiner Schöpferin nach dem Baden leider nicht einstellt). Und dem Auge boten sich einfach nur langgezogene Dreiecke, der leichte Fächereffekt des Brioche ging mehr oder weniger verloren. Also her mit der Sprühflasche und noch mal auf die Matten:


Da befindet er sich jetzt grade. Die folgenden Bilder zeigen noch den ungespannten Zustand.



Nun bin ich am Grübeln, ob man Doubleface nicht prinzipiell so stricken könnte, eine Farbe nach der anderen. Dann könnte ich eventuell sogar in Erwägung ziehen, noch einmal was mit Mustern auszuprobieren. Besagten Doubleface-Schal aus grauer Vorzeit werde ich allerdings trotzdem nicht zu Ende stricken. Aber weitere Experimente in der Verbindung mit Brioche sind garantiert!



Maße:
  • 175 x 26 cm (vor dem Waschen)
  • 230 x 24 cm (nach dem Waschen, ohne Spannen)
  • 220 x 34 cm (nach dem Waschen, mit Spannen)

Garn:
  • 177 g Lang Merino 120 (100% Schurwolle), LL 120 m / 50 g, Farbe 211 (orange)
  • 223 g Lang Merino 120 (100% Schurwolle), LL 120 m / 50 g, Farbe 004 (schwarz)
Nadelstärke: 4,5 mm

Verlinkt mit Maschenfein.






Kommentare

  1. Mein Doubleface-Versuch ist ebenso erfolglos verlaufen, wie der Fairisle. Ich stricke jetzt nur noch einfarbig!!
    Dein Schal mit den Dreiecken gefällt mir sehr gut!
    LG Monika

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    1. Vielleicht versuchst Du's ja mal mit Brioche oder mit Mosaik. Ist mehrfarbig, aber hat pro Reihe/Runde nur eine Farbe am Finger ...

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  2. Liebe Ute,
    jaja, dieses "Problem" des "langen Schlauches " nach dem Waschen kenne ich zu gut und solche Muster stricke ich generell nicht mehr. Da ich Schals recht oft wasche, wäre das ewige spannen "unlustig".
    Trotz dem finde ich den Schal sehr schön und sicher extrem voluminös und warm.
    VlG und schöne Adventzeit, Nora

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    1. Liebe Nora,
      bei der Vielzahl meiner Halsummantelungen kommen die einzelnen Exemplare gar nicht so oft zum Einsatz. Deshalb werden die auch selten gewaschen, statt dessen dürfen sie auf dem Balkon ausgiebig Luft schnappen. Als nächstes probiere ich trotzdem eine Variante, die garantiert ohne Spannen auskommt.
      Dir auch einen schönen Advent. Ich brauche noch was zum Stricken bei Kerzenlicht ...
      Liebe Grüße, Ute

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  3. Liebe Ute!
    In Doubleface habe ich einmal sehr viele Topflappen gestrickt und verschenkt.
    Allerdings mit Brioche kenne ich mich noch nicht aus.
    Dein Schal ist sehr schön. Vorallem die Farben würden toll zu meinem Wintermantel passen.
    Wie hast Du die beiden Techniken verbunden? Ich kann mir das jetzt grad nicht vorstellen, wie das funktioniert.
    Wie immer bin ich von Deinen Ideen begeistert
    Rita

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    1. Liebe Rita,
      mit Topflappen hätte ich auch anfangen sollen, das hätte mich vielleicht nicht gar so abgeschreckt!
      Beim Brioche strickt man, vereinfacht gesagt, erst alle rechten Maschen mit einer Farbe, die linken hebt man mit einem Umschlag ab. Dann strickt man die gleiche Reihe noch mal von vorn mit der zweiten Farbe, nur die jeweils anderen Maschen (die rechten werden mit einem Umschlag abgehoben, die anderen zusammen mit dem Umschlag links gestrickt. In den Doubleface-Abschnitten dazwischen verfährt man dann so ähnlich: mit einer Farbe werden die rechten M gestrickt, die linken werden (ohne Umschlag) abgehoben. Und mit der zweiten Farbe macht man es genau umgekehrt. Man muss nur darauf achten, dass die Spannfäden von den Hebemaschen innen zwischen den beiden Schichten liegen.
      Ich hoffe, das ist klar geworden. Es zu stricken ist fast einfacher als es zu erklären ...
      Liebe Grüße,
      Ute

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  4. Danke liebe Ute!
    Deine Erklärung ist sehr gut. Trotzdem, glaube ich, daß ich immer mit den Reihen durcheinander käme.
    Aber meist lernt man es schnell, wenn man ein paar Reihen gestrickt hat.
    Viele Grüße
    Rita

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  5. Ein superschöner Schal und die Farben machen ihn zum Hingucker; kann gar nicht sagen, welche Seite mir besser gefällt ;-) Doubleface habe ich noch nie versucht und werde das auch nicht tun, Deine Erfahrungen damit bestärken mich nur darin, auch wenn es da wunderschöne Werke zu bestaunen gibt. Hat aber eher was mit Masochismus zu tun als mit Entspannung....
    Mir ist gerade wieder ein irrer Schal in die Hände gefallen, den ich recht mühsam und zeitraubend glatt rechts (in verkürzten Reihen) gestrickt hatte und der sich natürlich an den Längsseiten nach innen rollt. Alle Versuche, das zu unterbinden, sind fehlgeschlagen; klar. Jetzt könte ich fast auf die Idee kommen, einen zweiten in entgegengesetzter Farbigkeit zu basteln und dann auch einen Schlauch zu machen. Könnte aber sein, dass er mich dann zu Boden drückt - muss also Sinnieren.
    Liebe Grüße zum 2. Advent - Regina, die auch leider nie schmaler aus der Wanne kommt als hinein....

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    1. Bei Deinem Rollmops hilft nur, gleiches mit Gleichem zu bekämpfen. Bei meinem Pooling-Experiment habe ich einen gegenläufigen Rollrand (drei oder vier Reihen glatt rechts über die Länge) drangestrickt, damit war das Problem erledigt: http://wollke7.blogspot.de/2017/03/planned-pooling-oder-ein-test-fur-die.html

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    2. Grandios! Danke! Das werde ich machen, geht ganz sicher schneller, als das Ungetüm noch einmal zu stricken, wobei das Ergebnis auch eher ungewiss ist!
      Guck mal, mein erstess "Planned Pooling". https://fadenkram.wordpress.com/2014/03/28/farbspiele-die-erste-vollendet/

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    3. Toll! Mit so buntem Garn muss ich das unbedingt auch noch mal probieren!

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    4. Oookay, dann zeig ich Dir auch noch den Zweiten ;-))
      https://www.ravelry.com/projects/Froggel/farbspiele-die-zweite

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  6. Hmm, seit gestern kann ich Deinen Blog nur noch aufrufen, wenn ich den Ad-Blocker deaktiviere - soll das so sein????

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    1. Nein, zumindest nicht von meiner Seite. Aber man weiß ja nie, was Google so rumpfuscht ...

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    2. Hab ich mir schon so gedacht und finde das echt fies; bekomme personalisierte Werbung, also solche zu Dingen, nach denen ich kürzlich gesucht habe. Schalte ich den Blocker wieder ein, bis Du weg.

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    3. Ich habe mittlerweile gelernt, Werbung total zu ignorieren. Ich seh die gar nicht mehr.

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