Montag, 6. März 2017

"Planned Pooling" oder: Ein Test für die Nerven

Wie in jedem überdimensionierten Stash finden sich auch bei mir jede Menge dieser mehrfarbigen handgefärbten Garne, die im Strang so unwiderstehlich aussehen. Und nach dem Wickeln ewig ruhen, weil die schönen Farben dann wild durcheinander sind und das Ganze beim Stricken dann bloß irgendwie fleckig wird. Zeit also, sich mal nach alternativen Lösungen umzusehen. Und da kommt 'Planned Pooling' (= geplante Zusammenballung) ins Spiel. Die Idee dahinter ist, dass sich die Farbsegmente bei einem runden Strang - logisch - irgendwann wiederholen. Und daraus lässt sich dann berechnen, wie breit ein Strickstück sein muss, damit die Farben beieinander bleiben. Klingt einfach, isses aber nicht.


Nun ist es zwar immerhin nicht so, dass man man alleine austüfteln muss, wie man aus dem Farbchaos ein Muster zaubert. Wie für (fast) alle Probleme des Lebens hat das Internet auch dafür eine Lösung parat, in Gestalt der Seite Planned Pooling. In den Rechner gibt man einfach ein, über wie viele Stiche sich jede Farbe hinzieht. Und dann kann man ausprobieren, wie sich unterschiedliche Maschenzahlen auf den Farbverlauf auswirken. Bei mir sahen die Beispiele so aus:


Die Sache mit den Karomustern hatte ich von vorneherein als völlig unrealistisch verworfen. Wenngleich ich durchaus schon einige (allerdings gehäkelte) Exemplare gesehen habe, bei denen das gut geklappt hat. Aber für den Anfang wollte ich mich mit den geraden Streifen begnügen, schon aus dem Grund, weil man da schneller sieht, ob es funktioniert.

Und funktioniert hat erst mal gar nichts. Weil Theorie und Praxis an verschiedenen Stellen auseinanderklaffen. Zwar nur um Millimeter, aber die sind hier entscheidend. Es beginnt schon damit, dass es schwierig ist, die Maschen pro Farbe zu bestimmen, weil eine Farbe vielleicht nicht über genau sechs Maschen läuft, sondern nur über fünfdreiviertel ... Es hat mich geschlagene 14 (in Worten: vierzehn!!) Stunden gekostet, bis ich eine Basiszahl ermittelt hatte, mit der es lief. Weil man ja erst mal ein Stück stricken muss, um zu sehen, wie es sich entwickelt. Und dann nochmal mit einer Masche weniger. Und dann nochmal mit zwei Maschen mehr ... Mit 3,5er Nadeln klappte es jedenfalls hinten und vorne nicht, erst als ich auf 3,75er wechselte, nahm der Schal langsam Gestalt an.


Aber wenn die Basis dann mal steht, kann man ja ganz gemütlich und ohne hinzusehen einfach glatt rechts dahinstricken, richtig? Falsch!!!

Bis dahin hatte ich mir eingebildet, dass ich einigermaßen regelmäßig stricke. Aber "einigermaßen" reicht hier bei weitem nicht aus. Schon minimale Unterschiede in der Fadenspannung führen dazu, dass sich das ganze um ein paar Millimeter verschiebt, was sich dann potenziert und nach ein paar Reihen verhängnisvoll auswirkt. Und natürlich wiederholen sich die Farben beim Handgefärbten auch nicht millimetergenau. Beides führt dazu, dass man eigentlich ständig am Zurückstricken und Korrigieren ist, um zwischendurch ein paar Maschen fester oder lockerer zu stricken.

Und unnötig zu erwähnen, dass natürlich auch die zwei Stränge, die man für einen Schal nun mal braucht, nicht absolut identisch sind. An folgendem Bild kann man die "Bruchstelle" ganz gut sehen:


Alles in allem also kein Wunder, dass ich dieses Teil monatelang mit mir herumgeschleppt habe. Und weil ich, als ich endlich die passende Maschenzahl herausgefunden hatte, so beglückt war, hatte ich mich natürlich nicht um so Kleinigkeiten wie einen vernünftigen Rand gekümmert, was dazu führte, dass sich das Ding einrollte wie blöd. Ich habe also hinterher in einem passenden Grauton noch einen gegenläufigen Rollrand angestrickt und jetzt passt es.


Das Endprodukt gefällt mir jetzt aber außerordentlich gut! Nicht zuletzt wegen der Garnqualität, von der ich ganz hingerissen bin! Obwohl das herkömmliche Sockengarn-Mischverhältnis vorliegt, ist das Garn unglaublich weich. Da muss ein ganz, ganz junges Polyamid sein Leben gelassen haben ;). Ich werde den Schal wahrscheinlich ständig tragen, schon damit ich ihn ausgiebig betatschen kann! Zu meiner großen Freude habe ich nochmal die gleiche Menge in Grautönen im Stash. Mal sehen, ob ich das Pooling dem Zufall überlasse, wenn das zum Einsatz kommt, oder ob ich mich noch einmal mit dem Rechenschieber ans Strickzeug mache. Lust hätte ich schon, aber vielleicht nicht ganz so bald ...



Garn:
  • 200 g Lanartus Fine Merino Socks handgefärbt (75% Schurwolle, 25% Polyamid), LL 425 m / 100 g, Farbe7.
  • Sockengarnreste in hellgrau und schwarz für den Rand
Nadelstärke 3,75 mm (Rollrand 3,0 mm)

Der Leidensbericht geht auch noch zu Frau Maschenfein und zur Häkelline

Kommentare:

  1. Aus einem handgefärbten Strang ein geplantes Muster stricken! Auf so eine Idee kannst echt nur du kommen. Das Ergebnis ist aber super. Wobei ich diese Methode für mich nicht in Betracht ziehe!!! Ich stricke auch leider total ungleichmäßig und es wird mit dem Alter auch nicht besser!
    LG Monika

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    1. Nee, nee, das ist nicht meine Idee, da sind schon ganz andere drauf gekommen (umsonst gibt's dafür ja nicht schon eine Webanwendung). Aber vielleicht fallen mir ja noch ein paar schöne Variationen dazu ein.

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  2. Das ginge bei mir auch nur sehr schlecht. Denn jedesmal wenn ich das Strickzeug neu zur Hand nehme, ist das Maschenbild etwas anders. Der Schal aber ist toll.
    Habe mich jetzt an Deine freie Anleitung getraut und muß sagen das Tuch ist klasse. Mein erstes Tuch. Da wird das Sonnentuch noch folgen.
    Viele Grüße
    Rita

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    1. Danke! Aber Vorsicht: Wenn einen der Tüchervirus mal gepackt hat, wird man ihn so schnell nicht los!

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  3. Der Schal sieht super aus! Ich bin froh, wenn ich ein regelmäßiges Wildern bei Socken gebacken bekomme. Die Sache mit der Fadenspannung ist doch stark von der eigenen Tagesform abhängig und kann dabei ziemlich krasse Unterschiede aufzeigen.

    Liebe Grüße,
    Sophie

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    1. Ich hatte eher den Eindruck, dass es von der Minutenform abhängig ist, weil ich teilweise in jeder Reihe zurückstricken musste!! Ich hab's ja nicht so mit Socken, aber es würde mich schon reizen, mal auszuprobieren was sich beim Stricken in der Runde so entwickelt ...

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