Donnerstag, 24. März 2016

Zeitreise IV

Die aktuellen Projekte sind mal wieder alle in dem Stadium, in dem sich gar nichts zu tun scheint. Aber der blinde Griff in den Kleiderschrank hat heute ein Uralt-Teil ans Licht befördert, das ich Euch nicht vorenthalten möchte.


Unglaublich, aber wahr. Dieser Pulli ist irgendwann Mitte der Achtziger entstanden. Und ich trage ihn immer noch gelegentlich. Zum Beispiel heute. Bei Instagram wurde ich grade nach der Anleitung gefragt. Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht mehr erinnern, ob das Copyright jemand anders gebührt, weil ich auch damals schon wild herumexperimentiert habe. Falls es eine Anleitung gab, stammte sie eventuell aus der 'Carina', denn das war das einzige Heft, das ich gelegentlich zu Rate gezogen habe. (Gab's eigentlich noch andere?) Allenfalls käme noch die 'Freundin' in  Frage, die hatten damals auch noch kreative Leute in der Redaktion (lang ist's her ...).

Das Garn war ein recht primitives Baumwollgarn aus dem Ausverkauf (studentische Geldnot!), das sich über die Jahrzehnte dann doch erstaunlich gut gehalten hat. Ich kann mich noch erinnern, dass es ewig gedauert hat, bis das Teil fertig war, weil der Smok-Effekt ganz schön Länge frisst. Und außerdem war das einer der seltenen Fälle, wo ich tatsächlich 3er Nadeln verwendet habe.



Gestrickt wurde das Ganze in einem Stück von Ärmel zu Ärmel, Bündchen und Rollkragen kamen erst ganz zum Schluss dran. Das Muster ist eigentlich super simpel, nur eben ein Geduldsspiel. Gestrickt werden drei Reihen glatt links und 11 Reihen glatt rechts. Die Maschenzahl sollte durch 17 teilbar sein (+ 2 Randmaschen), weil ab der zweiten Wiederholung der linken Reihen "gesmokt" wird. Dazu wird in der letzten linken Reihe jede 17. Masche als tiefergestochene Masche gearbeitet: Das heißt: Man strickt 16 Maschen links, sticht dann mit der Nadel in die Masche aus der ersten linken Reihe der vorhergehenden Links-Sequenz ein, die unmittelbar unter der nächsten Masche liegt, zieht den Faden einmal durch diese Masche, so dass sich eine Schlaufe bildet und legt die Schlaufe auf die linke Nadel. Dann zieht man den Faden richtig fest an (aber richtig!) und strickt die Schlaufe mit der nächsten Masche zusammen ab. Bei der dritten Links-Rippe macht man das Gleiche, nur versetzt: Die erste tiefergestochene Masche ist die neunte, dann wieder jede 17. Diese Abfolge wiederholt sich ständig. Das ist schon der ganze Zauber. Bei den Zunahmen für Vorder- und Rückenteil muss man natürlich darauf achten, dass die Maschenzahl wieder durch 17 teilbar ist. Zugenommen werden alle nötigen Maschen auf einmal, also nix mit Verlauf oder gar Taillierung.



Und ehe jetzt ungerechtfertigte Komplimente dafür eintrudeln, dass ich immer noch in Gestrick von vor 30 Jahren passe: Der Pulli ist ziemlich oversized (wie das halt damals so war). Das Bündchen sitzt mittlerweile schon deutlich enger um die Hüften ...

Montag, 14. März 2016

Frühlingsgefühle


So, ich wäre dann soweit. Der Frühling kann kommen. Mit meinem 'Frühlingshauch' bin ich jedenfalls gut darauf vorbereitet. Und dank der Mohair-Mischung ist er trotz seiner Transparenz auch geeignet, den Eisheiligen die Stirn zu bieten. Beim Versuch, ein Photo davon im Freien zu machen, habe ich mir heute allerdings beinahe Frostbeulen geholt.


Gestrickt ist das Tuch, wie man sieht, mal wieder in zweifarbigem Brioche und zwar denkbar einfach, weil es im Wesentlichen aus einer glatten Fläche besteht. Nur an einer Kante ist ein bisschen Gefummel nötig, weil die Blätter jeweils einzeln fertiggestellt werden. Das bedeutet leider auch, dass notgedrungen viele Fäden zum Vernähen bleiben. Um diese ungeliebte Arbeit etwas zu versüßen, habe ich kleine Perlen an die Blattspitzen gesetzt. Das kleine Gewicht sorgt gleichzeitig dafür, dass die Blätter beim Tragen nicht wild durcheinanderwirbeln, sondern brav liegen bleiben.


Gestrickt wurde von einer Ecke ausgehend und so lange, bis das Garn sich dem Ende zuneigte. Und so sieht's in Komplettansicht aus:


Anleitung folgt demnächst. Vorerst folgen nur noch ein paar schwelgerische Photos, weil die Farben einfach gar zu schön sind:







Edit: Die Anleitung ist mittlerweile auch fertig.

Garn:
  • 50 g Silkhair Print von Lana Grossa (70% Mohair, 30% Seide), LL 400 m / 50 g, Farbe336
  • 50 g Kid Silk von Drops (75% Mohair, 25 % Seide), LL 200 m / 25 g, Farbe 04
2 Rundstricknadeln in Stärke 4,5 mm (oder eine Rundstricknadel und ein Nadelspiel)
1 Hilfsnadel
Perlen, falls gewünscht (hier 18 Stück)

Freitag, 11. März 2016

Neues Experiment

Garne mit mehreren Farbverläufen kaufen ist so eine Art Hobby von mir. Ich kann da nie widerstehen (So viele Farben auf einmal!). Allerdings liegen die dann gerne ungenutzt herum, weil ich die Streifen, die sich naturgemäß beim Stricken ergeben, wenig spannend finde. Jedenfalls bis ich eine zündende Idee zur Verarbeitung habe. So ging's auch diesem Mille Colori Garn in Zebrafinkfarben ...

Weil ich ja offenbar nicht genug auf den Nadeln habe, habe ich also noch ein neues Projekt angefangen (das bedeutet nichts Gutes für die laufenden WIPs, weil das neueste immer mit besonderer Obsession verfolgt wird). Ich wollte schon länger mal wieder was in Patchwork-Technik machen, hatte aber keine Lust auf die allgegenwärtigen Domino-Ecken. Bis mir gestern Abend eine kleine Stimme einflüsterte: "Dann mach' doch Dreiecke!"

Und so geschah's. So sieht das bisher aus:


Mal sehen wie's weitergeht ...

Sonntag, 6. März 2016

Feuer und Flamme

Gelegentlich zwingt einem das Garn ein bestimmtes Muster ja geradezu auf. Die  'Gebrannte Erde' von dibadu rief (zumindest in der Wollversion) sofort die Assoziation zu Feuer hervor. (Auf Seide wirkt der gleiche Farbton ganz anders, ich hoffe, das kann ich im Laufe des Jahres auch noch demonstrieren.). Ich wollte einerseits eine größere glatte Fläche, um die schönen Rot-/Orange-Schattierungen wirken zu lassen und ein paar "Flammen", um die Assoziation zu unterstreichen.


Den ursprünglichen Arbeitstitel 'Feuer und Flamme' habe ich dann verworfen zugungsten von 'Feuerteufel', weil mich das kleine Biest an zwei Stellen geärgert hat. Zunächst (selber schuld!) weil ich den Verlauf nicht richtig kalkuliert hatte und alles noch mal auftrennen musste.



Und dann, weil fünf Reihen vor Ende des Mustersatzes das Garn zur Neige ging, so dass das gute Stück etwas kleiner ausfiel als gewünscht. (Die aktuelle Färbung mit der gleichen Artikelnummer ist so viel heller, dass es im Prinzip eine ganz andere Farbe ist, Nachbestellen ging also nicht.)

Klein ist das Tuch allerdings nur im Vergleich zu meinen sonstigen Riesenteilen. Wie man sieht, passt es immer noch locker mehrmals um den Hals ...


Das konnte man zur Abwechslung mal schön nebenbei stricken und musste, bis auf die Lace-Keile, auch kaum hinsehen. Und weil's gar so einfach war, ging das Schreiben der Anleitung diesmal auch schnell.





Anleitung: Feuerteufel

Maße:
  • Länge 150 cm
  • Höhe 70 cm
Garn:
  • 130 g Funnies Twisted Fifties Twisted Merino von dibadu (100% Wolle), LL 182 m / 50 g, Farbe  'Gebrannte Erde'
Nadelstärke 3,75 mm

Mittwoch, 2. März 2016

Alle Vöglein sind schon da ...


... nein, nicht ganz. Aber der Zebrafink ist fertig!


Das war ein wunderbares Spaßprojekt, das sich fast von selbst gestrickt hat, nachdem das Vögelchen sowohl die Farbwahl als auch die Muster mehr oder weniger vorgegeben hat.


Das Tuch fängt mit der "Schnabelspitze" an, geht dann aber durch verkürzte Reihen in eine halbovale Form / ein umgekehrtes Dreieck über. Ganz optimal ist die Form nicht, aber ich wollte nicht schon wieder so ein Riesending (was bei noch mehr Zunahmen unweigerlich rausgekommen wäre). Tragbar ist es jedenfalls auch so.



Damit die Streifen auch mal die Richtung wechseln, sind zwei kurze Brioche-Abschnitte eingebaut. Damit die weißen Tupfen etwas unregelmäßig werden, ist jede zweite Masche in jeder zweiten Reihe als Hebemasche gearbeitet. Und die "Schwanzfedern" sind als Plissée-Falten gearbeitet, die sich allerdings bereits nach kurzem Tragen ziemlich schnell aushängen. Die hätte ich wahrscheinlich am Anfang schmaler anlegen müssen.






Maße:
Länge. 205 cm
Höhe: 66 cm

Garn:

  • 7 g Alta Moda Lace von Lana Grossa (38% Schurwolle, 15% Mohair, 17% Nylon, 30% Polyacryl), LL 230 m / 50 g, Farbe 001 (sun orange)
  • 110 g Meilenweit 6fach special von Lana Grossa (80% Wolle, 20% Polyamid), LL 390 m / 150 g, Farbe 8814 (schwarz)
  • 100 g Regia Sockenwolle 6-fädig (75% Schurwolle, 25% Polyamid), LL 375 m / 150 g, Farbe 01992 (creme)
  • 65 g Meilenweit Fashion Neon von Lana Grossa (80% Schurwolle, 20% Polyamid), LL 420 m / 100 g, Farbe 1010 (anthrazit)
  • 10 g Meilenweit Cotton Stretch von Lana Grossa (45 % Schurwolle, 35 % Baumwolle, 13 % Polyamid, 7 % Elité (PBT),  LL 460 m / 100 g, Farbe 8024 (hellgrau)
  • 40 g Meilenweit Cotton Stretch von Lana Grossa (45 % Schurwolle, 35 % Baumwolle, 13 % Polyamid, 7 % Elité (PBT),  LL 460 m / 100 g, Farbe 8011 (grau)
  • 10 g Meilenweit 100 von Lana Grossa (80% Schurwolle, 20% Polyamid), LL 420 m / 100 g, Farbe 1347 (rost)
  • 45 g Regia Fashion 6-fädig (75% Schurwolle, 25% Polyamid), LL 375 m / 150 g, Farbe 02748 (zimt)
Wenn das mal kein Beispiel von Stricklust ist!

Dienstag, 1. März 2016

Auf den Nadeln im März

Das Problem, wenn man an mehreren Projekten gleichzeitig werkelt, ist ja, dass sich ab einem bestimmten Punkt das Gefühl einstellt, dass nie was fertig wird. Da hilft so eine kleine monatliche Rückschau doch ungemein. Denn dann wird klar: es ist ja doch einiges passiert in den letzten vier Wochen!

Allem voran natürlich das quietschbunte Prisma. Das hat von der Idee bis zur Fertigstellung nur eine gute Woche gedauert und mittlerweile habe ich es schon so oft getragen, dass es sich bereits wie ein alter Bestandteil meiner Garderobe anfühlt. Und ich habe dazu sogar meine allererste Anleitung auf Ravelry veröffentlicht.

Mit einer gehörigen Portion Selbstdisziplin ist schließlich auch der Brioche-Poncho fertig geworden,, der sich beim neuerlichen Wintereinbruch gleich gut bewährt hat. Vorher gab's noch einen schnellen Poncho im Netzmuster. Nachdem ich mehrere Mustervarianten probiert und verworfen hatte, sah das mit dem unregelmäßigen Garn noch am besten aus. Und eine Altlast aus dem letzten Jahr ist auch endlich abgehakt.

Weit weniger Selbstdisziplin blieb dann für die beiden im letzten Monat angeschlagenen einfachen Zwischendurch-Projekte übrig. Die befinden sich immer noch im gleichen Anfangsstadium:


Dafür haben sich wieder viel zu viele neue Sachen auf die Nadeln geschmuggelt.
Für die Brioche-Obsession gab's dieses Blattmotiv:



Allerdings: als ich endlich ausgetüftelt hatte, wie man das Motiv so variiert, dass daraus ein halbrundes Tuch entsteht, ging das gelbe Garn zur Neige und genau diese Schattierung befindet sich natürlich nicht mehr im Stash. Nur fünf andere, die fast passen ... Während ich also auf Nachschub warte, habe ich eine weitere Blättervariation angeschlagen, für die ich auf jeden Fall genug Garn im Haus habe. Vorläufiger Arbeitstitel: "Frühlingshauch":


Und dann ergab sich ja unverhofft die Herausforderung, eine kleine Hommage an den Zebrafink zu gestalten. Der wird auf jeden Fall gleich Anfang März flügge, weil da ja bei der Vorlage nicht viel Nachdenken bezüglich des Musters erforderlich ist.


Last but not least ist da auch noch mein kleiner Feuerteufel aus dem letzten Monat. Den musste ich noch mal komplett auftrennen, weil mir die Form, in die er sich entwickelte, nicht gefiel. Versuch Nr. 2 lässt sich aber ganz vielversprechend an:


So langsam wäre ich auch in der Stimmung, etwas Frühlinghafteres anzuschlagen, aber da fehlt es noch an einer konkreten Idee. Vielleicht findet sich ja bei Maschenfein eine Inspiration ...