Samstag, 29. August 2015

Knallrot und jede Menge Richtungswechsel


Nein, ich spreche nicht von der SPD. Sondern von meinem neuen Tuch. Nach dem Sonnentuch hatte ich immer noch Lust auf die 'Ella' von Lang Yarns, wollte aber ein etwas regelmäßigeres Muster, damit das unregelmäßige Garn seine Wirkung voll entfalten kann. Da aber auf der anderen Seite ein gleichmäßiges Muster schnell langweilig werden kann, hatte ich die Eingebung, ein Dreieckstuch in einzelne Module aufzuteilen. (Nebenbei: wie übersetzt man eigentlich "modular knitting"? Modulares Stricken?? Patchwork-Stricken??)




Das Stricken in einzelnen Segmenten kennt man ja überwiegend mit Vierecken. Besonders empfehlenswert ist das, wenn man ein Multi-Color-Garn hat, dessen Farbverlauf einem beim Geradeausstricken nicht gefällt. Dann strickt man eben einzelne Teile in unterschiedlicher Größe und verschiedenen Richtungen aneinander (genäht wird da nichts!). Ich hatte das letzten Winter mal an einem Schal durchexerziert:


Für ein Dreieckstuch bietet sich aber natürlich die Aufteilung in Dreiecke an. Meine ersten Überlegungen, schnell auf dem Handy skizziert, sahen so aus:



Und in der Tat ließ sich das gut umsetzen und beim Endprodukt sind die Dreiecke auch gut zu erkennen:



Obwohl das Muster ganz unspektakulär ist (5 Reihen kraus rechts und eine linke Lochmusterreihe) wurde das beim Stricken nicht langweilig, weil ich doch ziemlich gespannt war, ob sich das so entwickeln würde, wie ich mir das vorstellte. Außerdem musste man doch etwas aufpassen, wo und in welcher Richtung das nächste Dreieck fällig war. Anfangs sah das nämlich nicht sehr ermutigend aus:


Ich kann mir gut vorstellen, etwas Ähnliches noch mal mit verschiedenfarbigem Garn zu machen, weil das die einzelnen Teile noch besser zur Geltung bringen würde. Vorerst bin ich aber auch mit dieser Version sehr zufrieden.

Nachtrag: Weil's gewünscht wurde hier nicht direkt eine förmliche Anleitung, aber zumindest ein (hoffentlich verständliches) Rezept zur Durchführung:

Das erste Dreieck wird wie folgt gearbeitet:

3 M anschlagen, re str.
am Ende jeder Reihe eine M zunehmen, indem man zwei M in die letzte M strickt ( 1 re, 1 re verschränkt)
nach 5 Reihen rechts sind 8 M auf der Nadel, die wie folgt abgstrickt werden:
1 re, [U, 2 li zus. str.] x3, in die letzte M (1re, 1 verschränkt re)

Diese Abfolge (5 Reihen re, 1 Rückreihe Lochmuster mit linken M) wird kontinuierlich wiederholt, bis das Dreieck groß genug ist. Bei meinem Tuch waren es für das große Dreieck (in der Skizze mit 1gekennzeichnet) 118 Reihen (=120 M.) Dann alles abketten, bis auf die letzte M.Die kann gleich auf der (Rund-)Nadel bleiben, denn anschließend werden aus der nebenan liegenden kurzen Seite Maschen aufgenommen (noch 61, so dass insgesamt 62 M auf der Nadel sind.

Dreieck Nr. 2 (und alle anderen außer Nr. 4) ist genau halb so groß (obwohl dafür magischerweise viel weniger Garn verbraucht wird). Es wird genau umgekehrt gearbeitet, d.h. man beginnt mit der langen Seite und endet mit der Spitze. Logischerweise muss also jetzt am Ende jeder Reihe 1 M abgenommen werden (indem man die letzten beiden M zusammenstrickt), bis nur noch eine M übrig ist. Die Musterabfolge bleibt die gleiche: 5 R re, 1 Rückreihe Lochmuster mit linken M.

Dreieck Nr. 3 beginnt wieder an der Spitze und wird vergrößert, bis 62 M erreicht sind. Die Zunahme auf der (in Strickrichtung) linken Seite arbeitet man jetzt (und bei allen anderen zusammenhängenden Dreiecken), indem man aus dem Rand des anzuschließenden Dreiecks (zunächst Nr. 2) eine M aufnimmt. Dadurch werden die Dreiecke auch gleich verbunden, also die M ruhig etwas fester abstricken.

Beim Zusammenstricken der Dreiecke muss man im Prinzip nur darauf achten, dass man nur in jede zweite Randmasche des schon vorhandenen Dreiecks einsticht, sonst verzerrt sich das Ganze. Durch das Lochmuster hat man aber eine ganz gute optische Kontrolle: die Lochmusterreihen des "alten" und "neuen" Dreiecks sollten immer aufeinandertreffen.

Dreieck Nr. 4 ist noch einmal ein großes, genau wie Nr. 1, mit dem es an der linken Seite verbunden wird.

In welcher Reihenfolge man die restlichen zehn, kleineren Dreiecke anfügt ist egal. Das hängt nicht zuletzt davon ab, ob man sich lieber von der Spitze hocharbeitet oder von der Längsseite mit der maximalen Maschenzahl abwärts.


Ich habe der Ordnung halber ganz zum Schluss über die gesamte Länge der beiden kurzen Seiten das Grundmuster noch viermal wiederholt.



Garn: 'Ella' von Lang Yarns, LL 160 m / 50 g
Nadeln: 4,5 mm

Donnerstag, 20. August 2015

Ein neuer Herbstbote





Na gut, ich stricke zwar im Moment überhaupt nicht das, was ich eigentlich vorhatte, aber dafür werden die Spontankäufe zügig verarbeitet. Hier: dieses superbunte Garn von Lang (Florida). Nur 6 Knäuel davon waren im Restekorb von Wolle und Schönes und bei einer Lauflänge von nur 80 Metern blieben da nicht viele Optionen.


Allerdings wäre ein Teil ausschließlich daraus ohnehin etwas zu bunt für mich. Es war daher schnell klar, dass ich ein Dreieckstuch wollte, das hauptsächlich aus einer neutralen Farbe besteht, mit einer bunten Randborte. Nachdem ich möglichst schnell mit dem Farbspektakel loslegen wollte, sollte der Hauptteil auch zügig abzuarbeiten sein. Da fiel mir das Grundprinzip des 'Shetland Hap' wieder ein, von dem ich vor einiger Zeit bei Millefilla gelesen hatte. Eigentlich ist das ein quadratisches Tuch (das ich sicher demnächst auch mal angehe), aber man kann auch gut nach der Hälfte aufhören, dann hat man eben ein Dreieck. Bei der  Umrandung kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen und auch gut diverse Wollreste verbraten, aber das Mittelstück ist die einfachste, denkbare Schalvariante: Gestrickt wird kraus rechts, man beginnt mit einer Masche und fügt jeweils am Reihenanfang (in Vorder- und Rückreihe) einen Umschlag hinzu. (Für ein Viereck muss man dann nach der Hälfte wieder je eine Masche pro Reihe abnehmen.) Die Umschläge haben außerdem den Vorteil, dass man die Maschen für die Randborte ohne großes Gefummel aufnehmen kann:



Etwas verspätet fiel mir dann auf, dass es nicht die schlüssigste Entscheidung war, schon wieder etwas anzufangen, das überwiegend aus rechten Maschen besteht, wenn immer noch zwei Tops auf Vollendung warten, die aus eben diesem Grund (nur rechts stricken ist sooo langweilig) liegen geblieben sind. Aber die Aussicht auf den Rand (und das Stricken mit 5er-Nadeln) hat mich dann doch beflügelt.



Für die Kante musste ich dann nur noch ein Muster austüfteln, dass zu der Maschenzahl passte, die sich ergab, nachdem die graue Wolle zu Ende war. Der erste Versuch mit Zickzack in glatt rechts sah nicht gut aus, deshalb also auch hier rechte Maschen auf der Vorder- und Rückseite, unterbrochen von ein paar Löchern. Vorteil: Damit sieht der Schal auf beiden Seiten gleich aus.

Nachteil: Ich habe jetzt tatsächlich noch zwei Knäuel von dem bunten Zeug übrig. Aber mehr Kante hätte mir von den Proportionen her nicht gefallen.





Garn:
  • 200g Lana Grossa 365 Cottone (88% Baumwolle, 12% Polyamid), LL 140m/50g, Nadeln 4,5-5,0.
  • 200g Lang Florida (50%Baumwolle, 50% Polyamid), LL 80m/50g, Nadeln 5,5-6,0.

Samstag, 15. August 2015

Glitzerkram

Meine langweiligen, nur rechts zu strickenden Tops reizen mich im Moment gar nicht. Umso mehr diese Paillettengarne, die da seit einiger Zeit im Umlauf sind. Obwohl Glitzer im Übermaß nicht so mein Ding ist. Und ein weiterer Nachteil: Der Spaß ist nicht grade billig.


Meine Lösung: Das Paillettengarn einfach zusammen mit Sockenwolle verstricken. Das hatte dann wiederum den Vorteil, das man (mit Nadelstärke 6) ziemlich schnell vorankommt. Und das Ergebnis ist wunderbar kuschelig.


Damit das Ganze halbwegs im bezahlbaren Rahmen blieb war schnell klar, dass ein kleineres Dreieckstuch entstehen sollte. Ursprünglich hatte ich vor, alles mit den simplen Lochmusterreihen zu stricken, aber das sah dann etwas zu langweilig aus, deshalb habe ich ein paar einfache Lins-Rechts-Streifen dazwischengepackt. (Die simplen Lochmusterstreifen kommen bis zum Abwinken in einem anderen Projekt zum Einsatz, das mir bei der Gelegenheit einfiel, aber dazu demnächst mehr.)


Auf diese Weise war das erste Herbstprojekt dann überraschend schnell fertig. Und Bonus: Ich hatte die passende Handtasche dazu schon im Schrank!




Garn:
- Lang Super Soxx (65% Schurwolle, 25% Polyamid, 10% Kaschmir), LL 380m/100g
- Schulana Kid-Paillettes (42% Mohair, 40% Polyester, 18% Seide) LL 125m/25g

Kleiner Nachtrag zu Auf den Nadeln im August

Samstag, 8. August 2015

Here comes the sun!

Hui, da ist mein Sonnentuch doch schneller fertig geworden als erwartet! Ich habe noch eineinhalb Knäuel übrig und trotzdem ist es riesig und gut als Jackenersatz einsetzbar!


Ich hatte, glaube ich, schon erwähnt, dass es nicht die klügste Idee war, mit dem extrem unregelmäßigen Garn Lacemuster zu stricken. Aber mit dem Endergebnis bin ich trotzdem ganz zufrieden, auch wenn die Muster nicht so ordentlich aussehen, wie sich das gehört! Und so ein gelber Lichtblick hat in meiner Garderobe definitiv noch gefehlt.

Im Sommerschlussverkauf hab ich das Garn gleich noch in drei weiteren Farbvarianten gekauft. Ich weiß noch nicht, was ich damit mache, werde aber definitiv ein paar weniger löchrige Muster damit testen.

Jetzt brauche ich aber dringend ein neues Lace-Projekt. Und zwar vorzugsweise eines, das eine Nummer kleiner ausfällt...


Garn: 'Ella' von Lang Yarns, LL 160 m / 50 g
Nadeln: 4,5 mm

Sonntag, 2. August 2015

Auf den Nadeln im August


Von den Juli-Projekten ist ja nur eines fertig geworden, weil mir außerplanmäßig dieses Kleid dazwischenkam. Mit dem gelben Sonnentuch bin ich aber immerhin ein gutes Stück vorangekommen; es sind aber immer noch knapp 200 g zu verarbeiten.



Das Kleid hat außerdem einen "Ich hab nichts anzuzuiehen"-Reflex verursacht. Ist natürlich Quatsch, aber über all den Tüchern und Schals der letzten Monate hab ich tatsächlich schon länger kein Kleidungsstück mehr gestrickt. Das Schicksal bzw. der Schlussverkauf hat dazu beigetragen, diesen traurigen Umstand bald zu beseitigen, denn ich konnte an dem Restbestand von diesem schönen Glitzergarn (Schulana Splendoro) nicht vorbeigehen:


Es gab allerdings nur noch fünf Knäuel und die Lauflänge ist nicht umwerfend (110m / 50g), so dass ich für  das geplante Top wahrscheinlich noch was aus der hauseigenen Restekiste dazwischenmogeln muss.

Mein zweiter Einkauf war leider kein Sonderangebot: traumhaft schöne handgefärbte Seide, von der ich mir zwei Stränge geleistet habe. Das reicht allerdings auch nur für ein Top. Und ich will von dem schönen Farbverlauf nicht durch ein Muster ablenken. Was dazu führt, dass ich jetzt gleich zwei "mindless knittting"-Projekte für etwaige Fernsehabende und Bahnfahrten habe.


Abgesehen davon, dass es nicht sonderlich schlau ist, im August noch mit Tops anzufangen (!), wird mich die viele Rechtsstrickerei sicher bald langweilen. Ich schätze also, dass da im Lauf des Monats noch das ein oder andere hinzukommt. Die 'Ella' von dem Sonnentuch hab ich mir mittlerweile noch in anderen Farben zugelegt. Würde die  hier beispielsweise nicht ein schönes Jäckchen abgeben?


Mal sehen ...

Und hier gibt's mehr zur Inspiration:
Auf den Nadeln im August